Yoga & Ayurveda & Mediation & Coaching & Heilung Kati Voß

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Mediation Informationsheft nach Ballreich und Glasl

Informationsheft für Interessierte an einer Mediation

  

Dieses Informationsheft ist eine Abschrift und Teil des Buches „Mediation in Bewegung“ von Rudi Ballreich und Friedrich Glasl, Concadora Verlag, Stuttgart 2007

     

Könnte eine Mediation zur Lösung eines Konfliktes führen?

Sie lesen dieses Informationsheft (und sehen sich den Film „Mediation in Bewegung“ der DVD an), weil Sie in einen heftigen Konflikt verwickelt sind. Und dafür suchen Sie eine schnelle und haltbare Lösung, ohne dass Sie zu Gericht gehen müssen.

Mediation könnte für Sie ein geeigneter Weg sein. Überlegen Sie es sich.

Dieses Informationsheft vermittelt Ihnen den Eindruck, was auf Sie zukommen kann, wenn Sie sich mit Ihrer Gegenpartei auf eine Mediation einlassen sollten. Und der Film zeigt an einem häufig vorkommenden Beispiel, wie eine Mediation  zwischen der Lieferantin eines Computersystems (bITs) und Ihrem Kunden (KIC) konkret aussehen kann.

Machen Sie sich ein Bild, wie eine Mediation verlaufen könnte, und besprechen Sie Ihre offenen Fragen mit der Mediatorin oder dem Mediator, mit denen Sie Kontakt haben.

Was ist Mediation?

Mediation ist ein Erfahren der Konfliktlösung, in dem eine neutrale qualifizierte Person, die selbst keinen Anteil am Konflikt hat, vermittelt. Professionelle Mediatorinnen und Mediatoren können Sie und Ihre KonfliktpartnerInnen dabei unterstützen, dass Sie selbst eine gütliche Lösung des Konfliktes finden. Dazu wenden MediatorInnen bewährte Methoden an, um Sie als Konfliktparteien so zu aktivieren und zu begleiten, dass Sie die Kommunikationsschwierigkeiten überwinden, die einer Verständigung bisher im Wege gestanden haben.

MediatorInnen werden also nicht die bestehenden Differenzen für Sie, die beteiligten Streitenden, lösen, sondern Sie werden Ihnen Lösungshilfen und Methoden anbieten. Diese Methoden sollen Ihnen wieder eine ungetrübte Sicht der Dinge und eine gemeinsame Ausrichtung auf Problemlösungen ermöglichen. Die Lösungen müssen aber von den Konfliktparteien, also von Ihnen, selbst gefunden werden! Denn Sie müssen später damit leben.

Alternative Formen der Konfliktbehandlung

Die Lösungssuche gemeinsam mit den Konfliktparteien unterscheidet Mediation grundsätzlich von anderen Verfahren der Konfliktbehandlung. Die kurzen Beschreibungen einiger anderer Verfahren sollen deutlich machen, was Mediation ist und was sie nicht ist.

Vielleicht haben Sie auch schon daran gedacht, die Differenzen durch ein Gerichtsverfahren zu beenden. In diesem Fall würden Sie sich als Konfliktparteien dem Urteil des Gerichts zu fügen haben, gleichgültig, ob Sie das Gerichtsurteil gerecht oder akzeptabel finden oder nicht. Bei einer Mediation geht es hingegen darum, dass Sie selber als Beteiligte Lösungen finden, die Sie und Ihre KonfliktpartnerInnen akzeptieren können.  Vielleicht bringen die Mediationslösungen nicht immer das Optimale, dass Sie sich erhofft hatten. Aber entscheiden ist, dass Sie in relativ kurzer Zeit zu Lösungen kommen, die Sie mit beeinflussen können und die Sie darum auch umsetzen wollen. Oft entscheiden sich die Streitparteien deshalb nicht für Gerichtsverfahren, weil diese längere Zeit dauern können und bezüglich des Ausgangs sehr ungewiss sind – ganz abgesehen von den schwer schätzbaren Anwalts- und Gerichtskosten, die sie mit sich bringen. Außerdem sind - während ein  Gerichtsverfahren noch läuft – die persönlichen oder geschäftlichen Beziehungen zwischen den Streitparteien oft sehr belastet. Denn hier geht es um Beweisaufnahmen, um das Untermauern von Standpunkten und Forderungen der Streitenden. Das alles trägt zur Eskalation und nicht zur Spannungsminderung bei.

Eine weitere Alternative zur Mediation wäre ein freiwilliges Schieds- oder Schlichtungsverfahren. Hier müssten Sie sich erst mit Ihren KonfliktpartnerInnen auf die StreitschlichterInnen  oder SchiedsrichterInnen einigen. Und Sie müssten im Voraus genau definieren und vereinbaren, zu welchen Streitthemen Sie einen verbindlichen Schiedsspruch einer Schlichtungsstelle wünschen. Schieds- und Schlichtungsverfahren beanspruchen in der Regel viel weniger Zeit und Kosten. Aber die Lösung wäre von Ihnen nicht zu beeinflussen, weil Sie sich bereits im  Voraus dem Schiedsspruch bedingungslos unterwerfen müssten. Sie können hier nicht verhandeln, sondern die Autorität und Macht der SchlichterInnen ist absolut entscheidend.

Mediation unterscheidet sich aber wesentlich von einem Schiedsverfahren dadurch, dass MediatorInnen keinerlei Autorität anstreben, welche von den Konfliktparteien eine uneingeschränkte Umsetzung erzwingen könnte. Mediation hat vielmehr zum Ziel, die am Konflikt Beteiligten so zu unterstützten und zu begleiten,  dass diese selbst fähig sind, gegenseitig die Situation, die Interessenlagen und Bedürfnisse zu verstehen und anzuerkennen. Dies als Grundlage für eine Lösung, die nicht zu einseitigen Gewinnern und Verlieren führt. Bei der Mediation werden Lösungen vereinbart, die ab dann für alle verbindlich sind.

Mediation verzichtet also auf Macht und Zwang. Mediation setzt auf Gewaltfreiheit und Vernunft als Grundlagen für Lösungen, mit denen Sie als Betroffene später auch leben wollen und können! Deshalb haben die Methoden der Mediation das Überwinden und Ausräumen von Kommunikationsbarrieren zum Ziel. Zu diesem Zweck wird die Mediatorin bzw. der Mediator zu Beginn sicher einige Verhaltensregeln oder Verhaltensprinzipien mit Ihnen vereinbaren, mit deren Hilfe die Mediationssitzungen moderiert werden. Eine solche Mediationsvereinbarung dient dazu, trotz der aufkommenden Emotionen immer eine klare Sicht der Dinge zu wahren.

Die wichtigsten Inhalte einer Mediationsvereinbarung zu Beginn einer Mediation sind:

- die Benennung der Beteiligten

- und deren mandatierte VertreterInnen,

- die Bezeichnung der wichtigsten Streitgegenstände,

- die verbindlichen Verhaltensregeln bzw. Verhaltensprinzipien für die Gesprächsführung,

- die Honorierung der MediatorInnen,

- das Erstellung und Korrigieren von Protokollen,

- Vereinbarung zur Wahrung der Vertraulichkeit durch die Konfliktparteien und die Geheimhaltung             durch die Mediatorinnen,

- der Zeitpunkt, zu dem die Mediation begonnen hat (bei „eingetragenen Mediatorinnen BMJ“    Österreich wird  mit der Meldung des Mediationsbeginns automatisch eine Unterbrechung aller behördlichen Fristen bewirkt!),

- die Regelung von Streitigkeiten, die sich aus dieser Mediationsvereinbarung ergeben könnten.

Wenn mit Hilfe der Verhaltensprinzipien und durch umsichtiges Vorgehen der MediatorInnen alle bisher behindernden Trübungen und Verzerrungen bereinigt werden, können die Konfliktparteien wieder auf Ihre Fähigkeiten der Besonnenheit, der klaren Vernunft und der Rücksichtnahme zurückgreifen.

Sie werden aber durch Ihre unangenehmen Erfahrungen im Konflikt sicher verstehen, dass im Laufe der Klärungsgespräche immer wieder starke Emotionen aufkommen  können. (Der Film lässt auch solche Situationen sehen.) Vertrauen Sie jedoch darauf, dass MediatorInnen und Mediatoren gelernt haben, damit professionell umzugehen, weil Konflikt schließlich immer mit Emotionen zu tun haben. Und dafür sind ja MediatorInnen und Mediatoren da. Wenn Emotionen in heftiger Weise auftreten, ist das in der Regel ein Hinweis darauf, dass wichtige neuralgische Punkte berührt worden sind. Wenn es aber gelingt, durch diese Emotionen hindurch zu kommen, dann ist hinterher eine Verständigung auf tieferen Ebenen möglich.

Sollte es also hin und wieder emotional werden, wäre ein Abbruch der Mediation sehr fatal, weil die Probleme danach gewiss nicht einfacher wären. Vielmehr sollten Sie und Ihre KonfliktpartnerInnen die „Signalwirkung“ der starken Gefühle ernst nehmen und mit der Mediation zu einem guten Abschluss gekommen ist, werden Sie auch zu neuen Einsichten über Ihre eigenen Ideen und Bedürfnisse gekommen sein.


Was sind die Ziele der Mediation?

Das generelle Ziel einer Mediation ist, Ihnen und Ihrem Konfliktpartner Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. Diese Ziele werden vor allem durch Folgendes erreicht:

- Zwischen Ihnen und Ihrer Gegenpartei sollen die Feindseligkeiten durch die Vermittlung überwunden werden, und der Dialog soll wieder in Gang kommen.

- Als Beteiligte sollen Sie erkennen können, wie durch Beeinträchtigungen in Ihrem Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Wollen und  Handeln – die für Konflikte eine ganz natürliche Sache sind! - eine gemeinsame Lösung verhindert worden ist.

- Sie sollen zu einer authentischen und ehrlichen Form der Auseinandersetzung mit Ihrer Gegenpartei kommen, bei der nicht Gewalt, Hinterlist und Manipulation zum Sieg verhelfen;   dadurch kann wieder eine partnerschaftliche Beziehung aufgebaut werden.

- Als Konfliktparteien sollen Sie ein gegenseitiges Verständnis für die Sichtweisen, Gedanken, Gefühle, Absichten und Verhaltensweisen entwickeln als Grundlage für Lösungen, die auf die Interessen der Beteiligten gleichermaßen Rücksicht nehmen.

- Sie sollen mit Ihren KonfliktpartnerInnen einvernehmliche Lösungen finden, die für Sie alle als „Win-Win“-Lösungen mehr Vorteile bieten als andere Konfliktbehandlungsverfahren.

- Die einvernehmlich gefundenen Lösungen sollen von Ihnen als Konfliktpartner aus eigener Kraft umgesetzt werden.

- Sie sollen durch die professionell moderierten Mediationsgespräche zusätzlich befähigt werden, künftig mit Konflikten kompetent und konstruktiv umzugehen.

Diese Ziele stellen hohe ethische Ansprüche an die MediatorInnen, die jedoch in der Umsetzung immer auf die Kooperation mit Ihnen als Konfliktparteien angewiesen sind. Im Grunde entsteht durch die Mediationsvereinbarung ein Werte-Konsens, der von allen Beteiligten entsprechend gelebt werden muss. Dann erweist er für alle Beteiligten seinen Nutzen.

Wie verstehen MediatorInnen ihre Rollen?

Die Ziele der Mediation können nur erreicht werden,  wenn Sie als Konfliktparteien mit den MediatorInnen und Mediatoren gut zusammenspielen. Beide Seiten sind aufeinander angewiesen. Die Beiträge der MediatorInnen und die Beiträge der Konfliktparteien ergänzen einander in der Mediation.

Das zeigt die folgende schematische Gegenüberstellung der Aktivitäten der MediatorInnen auf der einen Seite und der Konfliktparteien auf der anderen Seite:

Beachten Sie, dass MediatorInnen in der laufenden Mediation selbst weder Expertengutachten abgeben noch eine Rechtsberatung erteilen dürfen. Das gilt auch für solche MediatorInnen, die rechtskundig befugt oder als ExpertInnen in dem einen oder anderen Feld der  Streitthemen qualifiziert sind. Die MediatorInnen müssen Sie nämlich klar darauf hinweisen, dass es im Mediationsverlauf an bestimmten Stellen zweckdienlich sein könnte, Rechtsberatung oder Expertengutachten einzuholen.

MediatorInnen dürfen sich niemals einseitig für die Interessen nur einer Partei einsetzen. Das würde selbstverständlich einvernehmliche Lösungen unmöglich machen.

Deshalb sind MediatorInnen bemüht, die folgenden Haltungen zu leben, die umschrieben werden können als:

* allparteilich, weil sie bemüht sind, sich in gleichem Maße in alle beteiligten Konfliktparteien einzufühlen und hineinzudenken;

* überparteilich bzw. metaparteilich, wenn sie auch auf die Berücksichtigung der Interessen und Bedürfnisse von „Stakeholders“ (d. h. Anspruchsgruppen) hinwirken, die nicht an der Mediation beteiligt sind – beispielsweise wenn in einem Konflikt zwischen ärztlichem Personal und pflegendem Personal ausdrücklich auch auf die Bedürfnisse der PatientInnen und deren Angehörigen Rücksicht genommen wird;

* transparteilich, weil sie mit ihren Methoden gleichen Zugang zu den verschiedenen Konfliktparteien auf eine Weise anstreben, dass sich die Konfliktparteien den MediatorInnen öffnen und auch aufeinander offener zugehen;

* unparteilich, weil sie mit der von den Parteien erreichten Lösung keinerlei eigene Interessen verfolgen, abgesehen vom Bedürfnis, die Mediation erfolgreich durchzuführen;

* neutral, weil sie den Konfliktparteien durch transparente und korrekte Verhaltensregeln und Verfahren unbedingte Gleichbehandlung garantieren; sie werden nicht Methoden anwenden, welche die eine Partei begünstigen und die andere benachteiligen; deshalb ist die Neutralität auch gerichtlich einforderbar.

Im Zuge einer Mediation kann es durchaus vorkommen, dass Sie an der Allparteilichkeit, Überparteilichkeit, Transparteilichkeit, Unparteilichkeit und Neutralität Ihrer MediatorInnen zweifeln. MediatorInnen sind aber durch ihren Ehrenkodex, den ihnen ihre Berufsvereinigung (oder in Österreich das Zivilrechtsmediationsgesetz auferlegt, dazu verpflichtet, diese Werte strikt einzuhalten. Machen Sie deshalb die MediatorInnen darauf aufmerksam, wenn Sie den Eindruck haben,  dass eine dieser Haltungen von Ihnen nicht ausreichend gelebt wird. Verdeutlichen Sie konkret, welches Verhalten Sie zum Zweifeln gebracht hat. Professionelle MediatorInnen haben lernen müssen, auf solche Signale einzugehen, Ihr Verhalten ehrlich zu überprüfen und – wenn erforderlich – auch zu  ändern. Sollten Sie aber trotz Ihrer Hinweise keine befriedigende Reaktion erhalten und nach wie vor den Eindruck haben, dass die Mediatorin bzw. der Mediator parteilich oder sonst irgendwie befangen ist, dann können Sie eine Beschwerde  beim Berufsverband einreichen. In Österreich können Sie sich – wenn Sie mit einem „eingetragenen Mediator BMJ“ zu tun haben – an das Bundesministerium für Justiz wenden, dass sogar Sanktionen gegen MediatorInnen, die gegen  die Prinzipien der Mediation verstoßen, verhängen kann.


Die Grundstruktur einer Mediation

Vielleicht wird Ihnen manchmal die Arbeitsweise  der MediatorInnen etwas umständlich vorkommen, oder Sie werden ungeduldig, wenn sich das Gespräch nicht schnell genug auf  die von Ihnen erhofften Lösungen zubewegt. Beachten Sie aber, das MediatorInnen nicht nur  dafür sorgen wollen, dass schnell irgendeine Lösung gefunden wird, sondern dass sie im Interesse der nachhaltigen Wirkung der vereinbarten Lösung Sie und Ihren Konfliktpartner immer wieder miteinander ins Gespräch zu bringen suchen;

- dass Sie einander aufmerksam zuhören und nicht durch Ihre eigenen Meinungen und Urteile behindert werden;

- dass Sie die Aussagen der Gegenseite gut wiedergeben können (das wird spiegeln oder paraphrasieren genannt);

- dass Sie die Situation aus der Perspektive der anderen Partei sehen und nicht nur an Ihrer Sichtweise festhalten;

- dass Sie sich in die Gefühle und Bedürfnisse der anderen Partei einfühlen und diese verstehen (d. h. „Empathie“ entwickeln) – auch, wenn Sie damit gar nicht einverstanden sind;

- dass Sie gemeinsam Lösungsmöglichkeiten überlegen, welche die bedrohten Bedürfnisse von Ihnen wie auch von der Gegenseite befriedigen könnten;

- dass Sie Entscheidungen und Vereinbarungen gemeinsam treffen und konkrete Umsetzungsmaßnahmen planen;

- dass Sie und Ihre Konfliktgegnerinnen die Vereinbarungen wirklich einhalten.

Die besondere Leistung der MediatorInnen besteht nun darin, dass sie mit Ihnen einen Weg beschreiten, der sich von Ihren bisherigen Verhaltensmustern unterscheidet, mit denen Sie bisher vergeblich eine Konfliktlösung versucht haben. Dafür hat sich ein umsichtiges und schrittweises Vorgehen bewährt. So entsteht – angepasst an Ihre besondere Situation – in einer oder in mehreren Gesprächsrunden der Mediationsprozess.

Ein Mediationsprozess verläuft für gewöhnlich in 7 oder 8 Phasen. Es gibt aber kein wirkliches Standartvorgehen, weil auch die Konfliktsituationen schließlich nicht standardisiert sind.  Wie der Verlauf der Mediation in Ihrem Fall konkret zu gestalten ist, werden Ihnen die MediatorInnen genauer sagen können, wenn sie mehr Informationen über Ihre Situation erhalten haben. Vielleicht muss dazu mit Ihnen und Ihrem Konfliktpartner jeweils noch ein getrenntes orientierendes Gespräch  geführt werden.

Das könnten die 7 Phasen der Mediation sein:

1. Vorphase (Pre-Mediation): hier geht es um die ersten Kontakte mit Ihnen und mit Ihrer Gegenpartei und um die ersten Überlegungen zum Vorgehen; beide Seiten sollten sich hier bereit erklärt haben, an der Mediation mitzuwirken.

2. Eröffnungsphase (Einleitungsphase): Es werden die Vor- und Nachteile, Ziele und Arbeitsweisen einer Mediation erläutert  und die Rollen der MediatorInnen sowie von Ihnen als Konfliktparteien geklärt; als weiteres werden Termine, Kosten, Ort und andere Bedingungen besprochen und oft auch schon Streitthemen gesammelt; und wenn das gut geht, wird von allen eine Mediationsvereinbarung  (siehe die Kerninhalte, hier S. 2) unterschrieben, in der Verhaltensprinzipien und -regeln ausformuliert sind.

3. Darlegungsphase: Jetzt geht es mit der Bearbeitung der gesammelten Streitthemen los; Sie und Ihre Konfliktpartnerinnen können Ihre Sichtweisen auf die Konfliktgeschichte, auf die Streitthemen und auf die beteiligten Personen erzählen.

4. Vertiefungsphase: Nachdem die unterschiedlichen Sichtweisen  dargelegt worden sind, werden Sie eingeladen darzustellen, welche Themen emotional besonders belastend für Sie sind und um welche Interessen und Bedürfnisse es sowohl Ihnen wie auch Ihren KonfliktpartnerInnen dabei geht; oft zeichnen sich schon an dieser Stelle Lösungsrichtungen ab – diese können dann in der folgenden Phase vertieft und konkretisiert werden.

5. Lösungsphase: Nun werden Sie und Ihre KonfliktpartnerInnen darin unterstützt, für Ihre Interessen und Bedürfnisse kreative Lösungen zu finden, die zu praktischen Lösungs- und Handlungsalternativen konkretisiert werden.

6. Phase der Übereinkunft: Zuletzt werden aus den gefundenen Lösungsmöglichkeiten diejenigen ausgewählt, die beiden Seiten im Konflikt den größtmöglichen Nutzen bringen; die Lösungen werden mehrfach überprüft (nach Bedarf auch von Expertinnen – Anm. d. S.: Rechtsanwälte, Notare...) und schließlich in   Beschlüsse gefasst; dieser Prozess wird mit einer Schlussvereinbarung gekrönt; nun braucht nur noch die Umsetzung geplant zu werden.

Umsetzungsphase: Sie und Ihre VertragspartnerInnen setzen eigenständig die Vereinbarungen um; für alle Fälle können Sie weiterhin mit den MediatorInnen Kontakt halten, damit nicht durch unvorhergesehene Ereignisse das erbrachte Ergebnis in Frage gestellt wird; eventuell kommt es zu einem Nachtreffen und nötigenfalls zu einer Nachverhandlung.

Wir wollen nochmals betonen, dass jeder Konflikt eine angepasste, besondere Vorgehensweise erfordert. Die hier beschriebenen Phasen werden zwar sehr oft auf diese Weise befolgt, sind aber nur eine Möglichkeit aus vielen.

Wen Sie zu diesen Informationen noch weitere Fragen haben, werden sie diese in der Vorphase oder in der Eröffnungsphase offen ansprechen können. Danach wird Ihre Entscheidung gut fundiert sein.

Wofür kann Mediation angewendet werden?

Zum Abschluss führen wir einige Gebiete an, in denen moderne Mediation schon längere Zeit erfolgreich angewendet wird:

- als Scheidungsmediation, um bei Trennung gütliche Regelungen für die Vermögensentflechtung, für Unterhaltspflichten, Besuchs- und Sorgerechte usw. zu finden;

- als Kunden-Lieferanten-Mediation, wenn sich zu den Leistungen und Vertragsbedingungen ernsthafte Differenzen ergeben haben;

- als Organisationsmediation bzw. Wirtschaftsmediation zur Konfliktbearbeitung innerhalb von Betreibern, Ämtern, Schulen, Krankenhäusern usw., bei denen es um Streitigkeiten zwischen Führungskräften und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geht oder um Konflikte zwischen MitarbeiterInnen selbst, zwischen Teams oder Abteilungen;

- als Bauprojekt-Mediation zur Einigung zwischen Auftraggebern und den ausführenden Baufirmen;

- als Sportmediation zur einvernehmlichen Regelung von vereinsinternen Streitigkeiten, die sonst zu einseitigen Disziplinarmaßnahmen führen würden;

- als Nachbarschaftsmediation bei Streitigkeiten über Beeinträchtigungen durch den Baumwuchs, über Geh- und Fahrtrechte usw.;

- als Umweltmediation, die aus der Sackgasse beim Bau von Straßen, Eisenbahnlinien, Flughäfen usw. führen soll;

- als Täter-Opfer-Mediation bzw. als „außergerichtlicher Tatausgleich“ in Konflikten, die zu Verstößen gegen das Strafrecht geführt haben;

- Mediation wird heute auch schon in Schulen von Schülerinnen und Schülern (als „Peer Mediation“) angewendet, um weitere Gewalt unter SchülerInnen zu verhindern und Konflikte zwischen Eltern, Lehrerinnen und SchülerInnen konstruktiv zu lösen;

usw.

Die Vielfalt der beispielhaft angeführten Anwendungsfelder der Mediation macht deutlich, dass die Konfliktsituationen unterschiedlich schwierig und komplex sein können. Aus diesem Grund haben sich MediatorInnen auf eines oder mehrere dieser Anwendungsfelder spezialisiert und besonders dafür qualifiziert. Es ist deshalb ratsam, sich genau zu erkundigen, ob die MediatorInnen in dem Feld Qualifikation und Erfahrung mitbringen, in dem Ihr Konflikt angesiedelt ist.

Wir empfehlen Ihnen nochmals, sich mit weiteren Fragen an die MediatorInnen zu wenden, mit denen Sie bereits Kontakt haben.

Nun wünschen wir Ihnen, dass Sie und Ihre KonfliktpartnerInnen eine gute Entscheidung treffen können, wie Sie Ihren Konflikt konstruktiv bearbeiten wollen.

Rudi Ballreich

PD Dr. Friedrich Glasl